Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die zu erhöhten Blutzuckerwerten führt. Es gibt zwei wesentliche Formen des Diabetes:

Bei sekundärem Diabetes entwickelt sich die Zuckererkrankung als Folge von anderen Krankheiten. Dazu zählen:

Wie entsteht Diabetes?

Das Hormon Insulin wird in den Langerhans´schen Inseln der Bauchspeicheldrüse gebildet. Alle Körperzellen benötigen Insulin, um Zucker aus der Blutbahn aufzunehmen. In der Zelle wird der Zucker zu Energie verbrannt. Kann der Zucker nicht von den Zellen aufgenommen werden, steigt die Zuckerkonzentration im Blut an. Ist eine bestimmte Konzentration des Zuckers im Blut überschritten, gelangt der Zucker in den Harn und wird ausgeschieden.

Beim Typ-1-Diabetes werden die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse durch körpereigenen Abwehrstoffe (Antikörper) zerstört. Die Bauchspeicheldrüse kann dann kein Insulin mehr bilden.

Beim Typ-2-Diabetes ist die Empfindlichkeit der Zellen auf Insulin vermindert (Insulinresistenz), das heißt die Zellen brauchen mehr Insulin, um Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Die insuliproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse reagieren darauf mit einer vermehrten Insulinausschüttung. Auf Dauer werden die insulinproduzierenden Zellen überlastet, die Insulinproduktion nimmt immer mehr ab.

Beide Diabetesformen können familiär gehäuft vorkommen. Sind beide Eltern Typ-1-Diabetiker, liegt das Risiko eines Kindes, ebenfalls zu erkranken, bei etwa 20 Prozent. Ist nur der Vater betroffen, beträgt das Risiko zirka fünf Prozent, im Falle der Mutter etwa 2,5 Prozent. Bei Typ-2-Diabetikern dagegen ist in 50 Prozent aller Fälle Diabetes schon in der Familie bekannt.

Typ-2-Diabetes ist besonders bei Personen zu beobachten, die:

Folgende Symptome treten bei erhöhtem Blutzucker auf:

Diese Symptome sind sowohl beim Typ 1 als auch Typ 2 vorhanden, doch bei Diabetespatienten mit Typ 1 entwickeln sich die Symptome im Laufe von einigen Tagen bis zu wenigen Wochen. Typ-2-Diabetes entwickelt sich hingegen meist über einen weit längeren Zeitraum (bis zu zehn Jahren); dabei zeigen die Erkrankten zunächst lange Zeit keine oder geringe Symptome.

 

In einigen Fällen sind Folgerkrankungen das erste Zeichen einer Diabeteserkrankung. Dabei können folgende Symptome auftreten:

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose wird anhand einer Messung des Nüchternblutzuckers (Glukose-Konzentration im Blut) und eventuell durch einen Glukosebelastungstest gestellt. Der normale Nüchternblutzuckergehalt bewegt sich zwischen 70 -110 mg/dl Blut (3,9 - 6,1mmol/l).

Ist der Nüchternblutzucker bei den Messungen an mindestens zwei verschiedenen Tagen höher als 120 mg/dl, leiden Sie an Diabetes. Bei der Bestimmung des Blutzuckers sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie nüchtern sind, d. h., Sie dürfen acht Stunden vor der Blutabnahme nichts essen und sollten nur Wasser trinken. Haben Sie doch etwas gegessen, so teilen Sie es Ihrem Arzt mit.

In unklaren Fällen wird ein Glukosebelastungstest durchgeführt, bei dem eine genau festgelegte Zuckermenge getrunken werden muss. Vorher und in bestimmten Zeitintervallen nachher wird der Zuckergehalt bestimmt.

Als Früherkennungsmethode dient auch die Harnzuckeruntersuchung mittels eines Urinstreifentests im Morgenurin oder im Sammelurin über 24 Stunden. Diese Untersuchung ersetzt jedoch nicht die Blutuntersuchung.

Zur Kontrolle von Blutzuckerkrankungen wird der HbA1c-Wert, der so genannte "Langzeitblutzucker" bestimmt. Mit Hilfe dieses Wertes sieht der Arzt, wie gut der Diabetes in den letzten drei Monaten eingestellt war.

 

Wie wird Diabetes behandelt?

Die Behandlung hängt davon ab, ob ein Typ-1 oder ein Typ-2-Diabetes vorliegt.

 

Typ-1-Diabetes

Da Insulinmangel die Ursache des Typ-1-Diabetes ist, kann diese Form des Diabetes nur mit Insulin behandelt werden.

Typ-2-Diabetes

Die Basis der Behandlung des Typ-2-Diabetes ist eine Ernährungsumstellung, eine Gewichtsnormalisierung und regelmäßige körperliche Bewegung. Erst wenn diese Maßnahmen nicht helfen, werden Medikamente, später auch Insulin gegeben.

Schwangerschaftsdiabetes

In der Schwangerschaft sind normale Blutzuckerwerte besonders wichtig, da hohe Blutzuckerwerte das ungeboren Kind schädigen können. Bringt eine Ernährungsumstellung keinen ausreichenden Erfolg, wird der Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin behandelt. Medikamente können nicht gegeben werden, da diese das Kind schädigen können.

Sekundärer Diabetes

Beim sekundären Diabetes wird zunächst versucht, die zugrundeliegende Erkrankung zu behandeln. Gelingt dies, verschwindet der Diabetes meist von alleine.

 

Was können Sie selbst tun?

Die Diabetesbehandlung zielt in weitem Umfang auf Selbsthilfe ab. Das meint die Fähigkeit, sich selbst zu behandeln.

Dies ist nur durch Erfahrung und Unterricht möglich.

Die Kontrolle des Diabetes kann entweder beim Hausarzt oder in der Diabetesambulanz oder bei beiden vorgenommen werden. Zum Beispiel können die Routinekontrollen beim Hausarzt und die Jahreskontrollen in der Ambulanz vorgenommen werden. Ziel der Kontrollen ist es, einerseits zu untersuchen, ob die Behandlung erfolgreich ist, andererseits um festzustellen, ob Spätkomplikationen entstanden sind oder ob sich diese verschlimmert haben. Folgendes wird dabei gemessen:

Routinekontrolle (alle drei bis sechs Monate oder nach individueller Beurteilung)

Jahreskontrolle (bei Bedarf auch häufiger)

 

Prognose

Bei beiden Diabetesformen können sich Folgeerkrankungen entwickeln. Diabetische Spätkomplikationen entwickeln sich erst nach einigen Jahren. Beim Typ-2-Diabetes können auf Grund des langen Zeitraums, in dem die Krankheit unerkannt war, jedoch bereits zum Diagnosezeitpunkt Komplikationen auftreten.

Der wichtigste Bestandteil einer Behandlung ist eine gute Zuckereinstellung und Zuckerkontrolle. Der Blutzuckergehalt sollte dem eines Gesunden entsprechen. Wesentlich ist auch die Behandlung von möglichen Begleiterkrankungen insbesondere eine gute Blutdruckeinstellung.

Insbesondere Typ-2-Diabetiker haben ein sehr hohes Risiko für Gefässerkrankungen. Das Risiko eines Typ-2-Diabetikers einen Herzinfarkt zu erleiden ist gleich hoch, wie bei einem Menschen, der raucht, übergewichtig ist und einen Bluthochdruck hat.

Übergewichtige, rauchende Diabetiker mit Bluthochdruck haben ein bis zu 50-fach höheres Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden, als gesunde Menschen!

Umfangreiche Untersuchungen haben aber gezeigt, dass eine gute Kontrolle der Zuckerkrankheit das Risiko für diabetische Spätschäden verringern oder sogar verhindern kann und eine normale Lebenserwartung möglich ist.

 

Weiterführende Informationen finden Sie im Internet beispielsweise unter www.netdoktor.at und auf www.diabetesambulanz.at