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Diät bei Milchzuckerunverträglichkeit (Lactoseintoleranz)
Die Laktoseintoleranz wird auch als Milchzuckerunverträglichkeit bezeichnet. Bei dieser Störung ist aufgrund eines Laktasemangels im Darm, die Verwertung bzw. der Abbau von Laktose im Dünndarm nicht oder nur teilweise möglich. Zusätzlich liegt bei der Laktoseintoleranz eine Überempfindlichkeit des Darmes gegenüber Abbauprodukten der Laktose vor. Aber nicht alle Menschen mit Laktasemangel haben auch Beschwerden. In Nordeuropa sind davon ca. 5 – 15 % der erwachsenen Bevölkerung betroffen.
Die Laktoseintoleranz beruht auf einem Mangel des Enzyms Laktase. Dieses Enzym befindet sich in der Dünndarmschleimhaut und spaltet den Milchzucker (Laktose) in die Bestandteile Traubenzucker und Schleimzucker. Infolge eines Mangels wird der Milchzucker nur teilweise gespalten und aufgenommen, der übrige Teil gelangt in den Dickdarm. Durchfall kann die Folge sein.
Je nach Schweregrad der Symptome kann eine Laktoseintoleranz durch eine laktose-freie bzw. laktosearme Ernährung erfolgreich behandelt werden.
Laktosefreie Ernährung: < 1 g Laktose pro Tag
Laktosearme Ernährung: 8 – 10 g Laktose pro Tag
Durchschnittlich nimmt der gesunde Erwachsene täglich ca. 20 – 30 g Laktose vorwiegend durch Milch und Milchprodukte auf. Bei einer laktosefreien bzw. laktosearmen Ernährung muss in erster Linie auf diese Lebensmittel ganz oder teilweise verzichtet werden. Der Bedarf an Kalzium kann durch eine gezielte Lebensmittelauswahl gedeckt werden.
Zur Erleichterung der täglichen Speisenauswahl sind die Lebensmittel, je nach Laktosegehalt, in vier Gruppen eingeteilt:
a) Laktosefrei Alle Lebensmittel die keinerlei Milch und Milchprodukte enthalten, sind laktosefrei.
Dazu zählen: Ei, Fleisch (von Rind, Schwein, Kalb, Pute, Huhn, Schaf, ...)
Schinken, Roastbeef, Wurstwaren (diese dürfen lt. Codex Alimentarius Austriacus keinen Zusatz von Milchpulver enthalten), Süß- und Salzwasserfische frisch und tiefgekühlt natur, Meeres- und Krustentiere...
Kartoffeln, Reis, Maisgrieß (Polenta), Getreide (Roggen, Gerste, Hafer, Weizen, Hirse, Dinkel, ...)
Brot und Gebäck ohne Milch, Zwieback (z. B. Fa. Spar),Teigwaren, Spätzle selbst gemacht (ohne Milch), ...
Salate mit Essig-Ölmarinaden, Gemüse natur, Obst, Obst- und Gemüsesäfte, Fruchtsirup, ...
Marmeladen, Honig, Zucker, ...
Sojaprodukte z.B.: Sojamilch, Sojamilchdessert, Sojajoghurt, Tofu, Sojaeis Als Ersatz zur herkömmlichen Milch: „Minus L“ Milch (Hinweis: der Laktosegehalt beträgt 0,1 g/100 ml Milch. Sie ist in Österreich erhältlich in den Filialen der Firmen: Spar, Magnet, Billa oder per Internet bei verkauf.frische@omira.de), Reismilch, Kokosmilch, Hafermilch, pflanzliches Milchpulver (Fa. Completa), ...
Alle Pflanzenöle, milchfreie Margarinen (z.B.: Becel, Eden-Margarine, ...) Milchfreie Getränke wie Kaffee, Tee, Kakao mit Kakaopulver, ...
b) Fast laktosefrei (unter 1 g Laktose/100 g)
Butter, Butterschmalz, alle Hart- und Schnittkäsesorten und fast alle Weichkäsesorten sind meist gut verträglich, da ein Großteil des Milchzuckers bei der Herstellung in der Buttermilch, bzw. in der Molke zurückbleibt und der verbleibende Milchzucker beim Käsen während des Reifeprozesses abgebaut wird. Ausnahme: Molkenkäse und einige Schmelzkäse mit Zusatz von Milchpulver. Der Kalziumbedarf kann durch „Minus L“ Milch und Käsesorten ausreichend gedeckt werden.
c) Mittlerer Laktosegehalt (1 – 4,5 g Laktose/100g)
Bei diesen Lebensmitteln kann es Unterschiede in der Verträglichkeit geben – abhängig von der individuellen Laktosetoleranz, der verzehrten Menge, aber auch vom Reifegrad gesäuerter Milchprodukte. Topfen, Hüttenkäse und die meisten Frischkäsezubereitungen sind meist gut verträglich, da bei ihrer Herstellung die Molke entfernt wurde (nicht vollständig) und oft nur kleine Mengen in Kombination mit anderen Lebensmitteln verzehrt werden (z.B.: als Brotaufstrich).
Achtung: bei manchen Frischkäsezubereitungen wird Milchpulver zugesetzt, um die cremige Konsistenz zu erreichen. In diesem Fall muss die Zutatenliste genau gelesen werden! Hinweis: Bröseltopfen ist besser verträglich, er ist trockener (Molke entfernt). Sauerrahm und Creme fraiche gehören ebenfalls zu dieser Gruppe und sind, da sie meist nur in kleinen Mengen verwendet werden (z.B.: in Saucen), relativ gut verträglich. Joghurt, Butter- oder Sauermilch, Acidophilusmilch und Kefir gehören zu den gesäuerten Milchprodukten, die bei leichter Laktoseintoleranz in kleineren Mengen (z.B.: 100 ml/Tag) noch toleriert werden, da der Milchzucker durch die zugesetzten Milchsäurebakterien teilweise abgebaut wird. Der Milchzuckergehalt ist demnach in älteren, reiferen Joghurts geringer. Zu einem geringen Teil sind die milchzuckerspaltenden Bakterien auch nach dem Verzehr noch wirksam. Hinweis: Probiotische Joghurts unterscheiden sich kaum im Laktosegehalt zu den herkömmlichen Joghurts. Es wird diskutiert, dass probiotische Kulturen möglicherweise selbst eine Laktaseaktivität besitzen. Schlagobers und Rahm enthalten etwas geringere Mengen an Milchzucker, verglichen mit Milch. Durch das Fehlen von Milchsäurebakterien wird der Laktosegehalt aber nicht weiter abgebaut. In leichten Fällen von Laktoseintoleranz können kleine Mengen Schlagobers als Milchersatz verträglich sein (z.B.: 1 TL Schlagobers im Kaffee oder 1/3 Schlagobers mit 2/3 Wasser verdünnt zum Kochen z.B.: Palatschinken).
d) Höherer bzw. hoher Laktosegehlat (über 4,5 g Laktose /100g)
Milch (Kuh, Ziege, Schaf, Stute), Molke, Trinkkakao, Kondensmilch, Kaffeesahne sowie Mehl- und Süßspeisen, die mit Milch zubereitet werden (z.B.: Milchreis, süße Aufläufe, Puddings) sind sehr milchzuckerreich.
Halbfertig- und Fertigprodukte Vorsicht! Milchzucker kann enthalten sein in:􀃖
Fertiggerichten (z.B.: Cremespinat, Rahmgemüse, Milchspeiseeis und weiteren Tiefkühlgerichten; Fertigkartoffelpüree, fertigen Puddings, Fertigknödeln, Fertig-suppen, Suppenwürze und sonstigen Konserven) Instantsoßen, Salat- und Grillsaucen, fettreduzierten Mayonnaisen (siehe Etikett) Herkömmlichen Margarinen Gebäck, Kuchen (z.B.: Waffeln, Toastbrot, Milchbroten) Wurst- und Fleischaufstrichen (häufig in fettreduzierten Wurstwaren und Konserven) Instantkakao (Ovomaltine®, Nesquick®, Benco®, …) Cremeliköre
Tips:
Nach Diagnosestellung vermeiden Sie Milch und Milchprodukte bzw. testen Sie Ihre individuelle Toleranzgrenze aus! Wir empfehlen Ihnen eine laktosefreie Diät für ca. 2 - 4 Wochen einzuhalten. Beginnen Sie dann langsam in Ihren Speiseplan mit laktosearmen Speisen zu erweitern.
Verwenden Sie für die Zubereitung von Milchspeisen, Suppen, Saucen, Müsli etc. die laktosefreie Milch „Minus L“ oder Sojamilchprodukte.
Überprüfen Sie bei verpackten Lebensmitteln die Zutatenliste! In der Lebens-mittelindustrie wird den Produkten, die von Natur aus keine Milchbestandteile enthalten, häufig Laktose zugesetzt.
Fragen Sie auch bei Medikamenten Ihren Arzt oder Apotheker, ob das Produkt laktosefrei ist.
Eine ausreichende Kalziumzufuhr ist bei gezielter Lebensmittelauswahl kein Problem, da bestimmte Käsesorten gegessen und laktosefreie Milch getrunken werden kann.
Weitere Lebensmittel die kalziumreich sind:
Gemüsesorten wie: Broccoli, Fenchel, Kohl, Kohlrüben, Sellerie, Lauch, ...
Obstsorten wie: Himbeeren, Brombeeren, Kiwi, Feigen, Orangen, Trockenobst, ...
Mineralwässer (> 150 mg/Liter) wie Alpquell®, Römer-quelle®, Juvina®, Preblauer®, Radenska®, …
Kalziumangereicherte Produkte wie z.B.: Hohes C mit Calcium®, Pago®, Fruchttiger®, ...
Alpro Sojadrink mit Calcium®
Achten Sie darauf, daß Sie die laktosehältigen Lebensmitteln in kleinen Portionen über den Tag verteilt essen, dann werden Sie besser vertragen!