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Impfen - Eine große Errungenschaft
Im Laufe der Geschichte hat der Mensch auf verschiedene Weise in die Umwelt eingegriffen, um seine Gesundheit zu schützen. Nach der Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser war die Impfung sicher der wichtigste Schritt für die Volksgesundheit. Durch die Impfung hat der Mensch auf sein Immunsystem so weit einwirken können, daß er sich heute gegen einige der schwersten Infektionskrankheiten wirksam schützen kann, die früher unermeßliche soziale und wirtschaftliche Opfer gefordert haben. Eine ständig drohende Gefahr In den Industrieländern wurden in den letzten Jahrzehnten die Impfungen flächendeckend durchgeführt, weshalb heute Behinderungen und Todesfälle aufgrund von Infektionskrankheiten für viele nur mehr vage Erinnerungen sind; manch einer glaubt, daß dieses Gesundheitsrisiko bei uns gar nicht mehr existiert. Solche Meinungen herrschen deshalb vor, weil wir uns gar nicht mehr bewußt sind, was wir alles tun können und mit wie vielen Menschen wir zusammensein können, ohne überhaupt an eine Ansteckung denken zu müssen. Es taucht immer wieder die Frage auf, warum man gegen bestimmte Krankheiten wie Diphtherie oder Kinderlähmung (Poliomyelitis) immer noch geimpft wird, obwohl sie bei uns schon lange nicht mehr auftreten. Die Angst vor Nebenwirkungen, die durch die Impfung hervorgerufen werden können, scheint dabei mehr ins Gewicht zu fallen als die Sicherheit des Impfschutzes. Dieser Schein trügt. Eine schwerwiegende Krankheit konnte dank der Massenimpfungen weltweit ausgerottet werden: die Pocken. Gegen sie wird auch nicht mehr geimpft, da der letzte bekannte Fall auf das Jahr 1977 zurückgeht. Alle anderen Infektionskrankheiten gibt es im einen oder anderen Land immer noch, vor allem in Ländern mit unzureichender gesundheitlicher Betreuung, wo aufgrund der sozialen und wirtschaftlichen Lage keine ausreichende Versorgung mit Impfstoff möglich ist, und somit nur ein geringer Teil der Bevölkerung immunisiert werden kann. Gerade in diesen Gebieten können sich die Krankheiten jederzeit wieder epidemisch ausbreiten. Information und Fehlinformation Dadurch, daß schwere Infektionskrankheiten immer weniger oder überhaupt nicht mehr bei uns auftreten, verlagert sich unsere Aufmerksamkeit immer mehr auf die möglichen Nebenwirkungen der Impfung als auf die Krankheit selbst. So könnte man fast glauben, die Impfung sei ein größeres Gesundheitsrisiko, größer noch als die Infektionskrankheit. Dies ist aber keinesfalls so. Impfschäden, ob sie nun tatsächlich auftreten oder nur befürchtet werden, machen sicher mehr Schlagzeilen als die erfolgreichen Schutzimpfungen bei Millionen von Kindern ohne nennenswerte Gesundheitsstörungen. Todesfälle und Komplikationen, die Jahr für Jahr durch die Impfung vermieden werden können, scheinen nämlich in keiner Statistik auf. Alle diese Faktoren tragen zu einer starken Verunsicherung der Bevölkerung bei und zeigen tiefgreifende Auswirkungen. Sich impfen lassen ist ein persönliches Recht, aber auch eine Pflicht der Gemeinschaft gegenüber. Durch die Impfung hat jeder den persönlichen Vorteil von der Krankheit verschont zu bleiben; gleichzeitig trägt er aber auch, wenn eine bestimmte Impfstrategie verfolgt wird, zur Vorbeugung in seinem Umfeld bei. Sich impfen lassen bedeutet also nicht nur die eigene Gesundheit schützen, sondern ist auch ein Zeichen der Solidarität gegenüber jenen, die aus Gesundheitsgründen nicht geimpft werden können (Immunschwäche, Schwangerschaft und andere Ursachen). Bei Krankheiten, die nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, nimmt nämlich die An- steckungsgefahr auch für nicht geschützte Personen wesentlich ab, wenn die Verbreitung des Erregers dadurch in Grenzen gehalten wird, daß der Großteil der Bevölkerung (über 80 %) dagegen geimpft ist und diese Impfungen auch im Erwachsenenalter in bestimmten Zeitabständen aufgefrischt werden. Impfen oder nicht: keine unüberlegte Entscheidung Sowohl für die Pflichtimpfungen als auch für die empfohlenen Impfungen werden
heute wirkungsvolle und sichere Impfstoffe verwendet, die vorher bei Versuchen
so oft und so genau überprüft wurden, wie sonst selten ein Arzneimittel. Wie bei
jedem anderen medizinischen Eingriff werden auch bei Impfungen vor ihrer
Durchführung die Vorteile genau gegen die möglichen Risiken abgewogen; dabei
wird berücksichtigt, wie groß die Ansteckungsgefahr ist, wie lange der
Impfschutz anhält, wie groß das Risiko von Impfschäden ist und wie hoch der
Prozentsatz der Bevölkerung ist, die durch die Impfung immun wird. Ein
objektiver Vergleich zwischen den Risiken der derzeit vorgeschriebenen und
empfohlenen Impfungen und den Risiken der Krankheiten, welchen durch die Impfung
vorgebeugt wird, fällt ganz und gar zugunsten der Impfungen aus. Immunität Wenn jemand von einem Krankheitskeim befallen wird, reagiert sein Körper mit verschiedenen Abwehrmechanismen, unter anderem auch mit der Bildung von Antikörpern. Diese können den Infektionserreger und/oder die von ihm erzeugten schädlichen Stoffe zerstören und die betroffene Person gegen eine weitere Ansteckung schützen, das heißt immun machen. Um Abwehrkräfte zu aktivieren und Antikörper zu bilden, braucht der Körper nur 1 bis 3 Wochen. Viele Infektionskrankheiten führen zu schweren Komplikationen, zu bleibenden Schäden oder sogar zum Tod, weil die vom eigenen Körper produzierten, natürlichen Abwehrkräfte nicht imstande sind, die Infektion zu bezwingen. Die erfolgreiche Behandlung einiger Infektionskrankheiten gelingt oftmals nur noch durch ärztliche Hilfe, nachdem der Körper bereits schwer geschädigt wurde. Durch die Impfung kann man eine Infektion simulieren, d.h. den Körper dazu bringen, daß er Abwehrkräfte aktiviert und spezifische Antikörper bildet. Damit wird der Körper immun, ohne die eigentliche Krankheit durchgemacht zu haben. Impfen heißt also vorbeugen Die mit der Impfung erworbene Immunität kann je nach Krankheitserreger und je nach Impfstoff ein ganzes Leben oder nur eine bestimmte Zeit lang anhalten. In der Regel verleihen Impfstoffe eine Immunität, die nur einige Jahre (z.B. Typhus) oder über zehn Jahre (z.B. Tetanus, Mumps, Masern, Röteln, Hepatitis B) anhalten kann. Nur die zum richtigen Zeitpunkt durchgeführten Auffrischungsimpfungen verleihen eine lebenslange Immunität. Aus diesem Grund können Krankheiten, gegen die man im Kindesalter impft, auch bei Erwachsenen auftreten, weil sie die Auffrischungsimpfung (z.B. bei Tetanus, Masern, Mumps) versäumt haben und daher nicht mehr ausreichend geschützt sind. Es gibt zwei Methoden, die Immunität zu erlangen: die passive und die aktive Immunisierung. Die passive Immunisierung Bei dieser Methode erhält der menschliche Körper ein Serum mit körperfremden fertigen Antikörpern, die in anderen Organismen gebildet wurden. Diese Art der Immunisierung wendet man an, wenn vermutet wird, daß die Person bereits angesteckt wurde, oder wenn die Krankheit bereits ausgebrochen ist, und der Körper sofort Abwehrkräfte gegen die Infektion braucht. Die Schutzwirkung der passiven Immunisierung hält nicht lange an: von vier Wochen bis zu zwei Monaten. Nach dieser Zeit kann man wieder angesteckt werden. Die aktive Immunisierung Mit dieser Methode wird der menschliche Körper dazu gebracht, selbst Antikörper zu bilden. Die im Impfstoff enthaltenen Substanzen, Antigene genannt, setzen im Körper einen Prozeß in Gang, der die spezifische Antikörperbildung bewirkt. Die erfolgte Grundimmunisierung (meist 34 Teilimpfungen in gewissen Zeitabständen) bewirkt eine Immunität, d.h. Schutz gegen die jeweilige Krankheit. Die Impfstoffe Es gibt verschiedene Arten von Impfstoffen: Impfstoffe mit ganzen lebenden Antigenen (in der Regel Viren), die
abgeschwächt wurden, damit sie dem Körper nicht mehr gefährlich werden
können. Impfstoffe mit ganzen abgetöteten Antigenen, die chemisch oder durch
Wärme inaktiviert wurden. Impfstoffe mit Anatoxinen oder Toxoiden, d.h. Giftstoffen, die von
einigen krankheitserregenden Mikroorganismen erzeugt werden und denen mit einem
chemischen Verfahren das Gift entzogen, ihre immunisierende Wirkung aber nicht
genommen wird. Azelluläre Impfstoffe: Sie enthalten nur bestimmte Teile des
Infektionserregers, die immunisierende Wirkung haben. Mit gentechnischen Methoden gewonnene Impfstoffe: ein bestimmter Teil
des genetischen Codes eines Mikroorganismus, der die Bildung von Antikörpern
auslöst, aber keine Infektion verursachen kann, wird in eine Zelle gewöhnlicher
Bierhefe eingepflanzt, wo er stark vermehrt wird (eine ähnliche Methode wird zur
Erzeugung des für viele Diabetiker lebenswichtigen Insulins angewandt).
Konjugierte Impfstoffe: Der Teil des Mikroorganismus, gegen den der
Körper Antikörper bildet, wird an ein Eiweiß, das als Transportmittel dient,
gebunden, um eine stärkere Immunreaktion zu bewirken. Impfstoffkombinationen: Sie bestehen aus einer Mischung verschiedener
Impfstoffe. Dadurch, daß diese gleichzeitig geimpft werden, haben sie dieselbe,
wenn nicht eine stärker immunisierende Wirkung als Einzelimpfstoffe, ohne die
Gefahr von Nebenwirkungen zu erhöhen. Da dem Kind außerdem so manche Injektion
erspart bleibt, ist man bestrebt, in Zukunft verschiedene Impfstoffe miteinander
zu kombinieren. Um eine hohe Wirksamkeit der Impfstoffe zu erzielen, werden sie dem Körper auf unterschiedliche Weise zugeführt, je nachdem, gegen welchen Krankheitserreger sie schützen sollen. Sie können in die Haut (intradermal), unter die Haut (subkutan) oder in den Muskel (intramuskulär) eingespritzt oder aber als Schluckimpfung (oral) verabreicht werden. Impfstoffe müssen dem Körper zur Grundimmunisierung in Zeitabständen von einigen Monaten wiederholt zugeführt werden, damit er genügend Antikörper bilden kann. Regelmäßig nach einigen Jahren sind Auffrischungsimpfungen erforderlich, damit der Schutz anhält, d.h. damit immer genügend Antikörper vorhanden sind. Vor der Impfung Bei der Impfung darf das Kind keine Anzeichen einer ernsthaften Krankheit zeigen; bestehen darüber Zweifel, muß ein Arzt zu Rate gezogen werden. Muß die Impfung aufgeschoben werden, so bedeutet das nicht, daß die vorhergehenden Impfungen ihre Wirkung verlieren. Trotzdem sollte man sich so weit wie möglich an den Impfkalender (siehe S. 32) halten, um dem Kind den bestmöglichen Schutz zu gewährleisten. Das mögliche Auftreten von Nebenwirkungen muß mit dem Arzt besprochen werden. Nebenwirkungen Manchmal kommt es vor, daß ein Impfstoff unerwünschte Nebenwirkungen verursacht, genauso wie das bei der Einnahme herkömmlicher oder homöopathischer Medikamente oder bei Lebensmitteln der Fall sein kann. Diese Nebenwirkungen zeigen sich auf verschiedene Weise, je nachdem, wie stark der Körper reagiert und wie der verwendete Impfstoff zusammengesetzt ist. Einige Impfstoffe, z.B. jener gegen Tetanus, können mehr oder weniger deutliche, lokal begrenzte Reaktionen wie Schwellung, Rötung und Schmerzen an der Einstichstelle, selten auch Fieber hervorrufen. Diese Nebenwirkungen verschwinden jedoch und gefährden die Gesundheit des Kindes nicht. Zur Linderung der lokalen Reaktionen werden feucht-kalte Umschläge empfohlen. Impfschäden Im allgemeinen stehen die Eltern der Impfung aber weniger wegen der Nebenwirkungen, sondern vielmehr wegen möglicher Impfschäden skeptisch gegenüber. Auch wenn man sie nicht hundertprozentig ausschließen kann, so kann man doch behaupten, daß bleibende Impfschäden sehr selten sind (bei der Impfung gegen Diphtherie oder Kinderlähmung mit der Schluckimpfung z. B., kommt auf eine Million Impfungen ein Fall von Impfschaden, während ohne Impfung bei Erkrankung an Kinderlähmung eine Person von Tausend bleibende Lähmungen davonträgt oder stirbt. Bei Diphtherie trifft es gar eine von fünf Personen). Impfnebenwirkungen bzw. mögliche Impfschäden müssen sofort dem impfenden Arzt gemeldet werden, damit diese rechtzeitig behandelt und dokumentiert werden können. Durch korrekte, sofortige Datenerhebung können eventuelle Zusammenhänge zwischen dem verabreichten Impfstoff und einer Impfreaktion festgestellt werden. Kontraindikationen Um auch das kleinste Risiko von Impfnebenwirkungen einzuschränken, wird bereits vor der Impfung eine Anamnese über den Gesundheitszustand des zu Impfenden erhoben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ein amtliches Verzeichnis der Impfkontraindikationen herausgegeben, das regelmäßig dem neuesten medizinischen Wissensstand angepaßt wird. Gründe für eine Aufschiebung oder den Verzicht auf die
Impfung Impfkontraindikationen sind: Die Impfung muß verschoben werden. Allergien Jeder Impfstoff enthält neben dem eigentlichen Wirkstoff Zusatzstoffe wie Stabilisatoren, Antibiotika oder Verstärkerstoffe, etwa um die Haltbarkeit des Impfstoffs zu garantieren, um einer bakteriellen Verunreinigung entgegenzuwirken und um eine befriedigende Immunantwort zu erzielen. Diese sog. Adjuvantien (Trägersubstanzen) können allergische Reaktionen auslösen. Reaktionen gegen den eigentlichen Impfwirkstoff sind sehr selten. Kommt es nach Verabreichung des Impfstoffs zu allergischen Reaktionen, so muß dies dem impfenden Arzt mitgeteilt werden. Bekannt sind v.a. Allergien gegen Impfstoffe, die Hühnereiweiß enthalten. Treten bei einem Kind, nachdem es ein Ei oder Hühnerfleisch gegessen hat, Symptome wie Nesselsucht (Urtikaria), Schwellung (Ödem) im Mund oder Kehlkopf, Druckabfall (Hypotonie), Atembeschwerden oder ein Schock auf, so darf es nicht mit Impfstoffen geimpft werden, die auf befruchteten Hühnereiern gezüchtet wurden. Alle anderen Impfstoffe dürfen verabreicht werden. Es ist anzumerken, daß im Säuglingsalter kein Impfstoff verabreicht wird, der Hühnereiweiß enthält. Die Diagnose Neurodermitis oder eine Ekzembereitschaft des Säuglings stellen auf keinen Fall eine Kontraindikation für eine Impfung dar. Immunstörungen Liegt beim Impfling eine Immunstörung vor (Immunsupprimierte Personen, Tumor-Patienten, Leukämieerkrankte, HIV-Positive), sollten bevorzugt Totimpfstoffe geimpft werden. So wird z.B. für die Immunisierung gegen die Kinderlähmung bei derart erkrankten Kindern und deren Familienmitgliedern nur der Totimpfstoff SALK statt des Lebendimpfstoffes SABIN geimpft. Ist eine Impfung mit Lebendimpfstoffen erforderlich, so sollte diese vorzugsweise im Krankenhaus unter fachärztlicher Aufsicht durchgeführt werden. Fortschreitende neurologische Krankheiten: Kinder mit nicht fieberbedingten Krämpfen müssen vor der Impfung von einem Facharzt untersucht werden, um das Risiko der einzelnen Impfung abzuwägen. Schwangerschaft: Außer in besonderen Fällen, in denen die Notwendigkeit vom Arzt beurteilt werden muß, muß die Impfung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Lebendimpfstoffe dürfen nicht verabreicht werden. Keine Impfkontraindikationen sind:
Besonders empfohlen werden Impfungen jenen Kindern... ...die an Asthma, Mukoviszidose, Zöliakie, chronischen Bronchopneumopathien, angeborenen Herzkrankheiten, Down-Syndrom, nicht fortschreitenden neurologischen Störungen oder Unterernährung leiden sowie prämaturen und immaturen Neugeborenen (diese sollen nach dem üblichen Impfkalender geimpft werden) und Kindern mit einem Tumor in Remissionsphase.
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